Hegegemeinschaft Einzugsgebiet Murr besetzt dieses Jahr zum ersten Mal Glasaale in die Murr

Am Samstag, 19.02.2022 trafen sich mehrere Vertreter der örtlichen Anglervereine, welche alle Mitglieder in der HGEZG Murr sind, in Backnang, um 4 kg Glasaale, das entspricht ca. 12.000 Stück, in Empfang zu nehmen. Diese kleinen, durchsichtigen Schlängler sollen als Arterhaltungsmaßnahme im Bereich Backnang, Burgstetten und Kirchberg eingesetzt werden. Der europäische Aal wird seit 2008 als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Die Bestände in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet sind in den letzten 40 Jahren dramatisch eingebrochen. In dem bisherigen Verbreitungsgebiet kommen nur noch ca. 10 % der Glasaale vor. Die Bestände des europäischen Aals befinden sich in einem besorgniserregenden Zustand.

Eines der größten Probleme des Aals ist der illegal ausgeübte Glasaalfang in Europa. Hierbei werden die kleinen Aale gefangen und als Delikatesse in den asiatischen Raum verkauft.  Durch diesen illegalen Fischfang lassen sich leicht Kilopreise von bis zu 6.000 € erzielen und so ist es nicht verwunderlich, dass auf diese Art und Weise jedes Jahr ca. 350 Mio. Glasaale nach Asien geschmuggelt werden und die Bestände drastisch schwinden.

Sicher kann auch gesagt werden, dass jedes Wehr, jede Schleuse oder sonstiges Hindernis im Fluss die wanderwilligen, kleinen Aale an ihrem Drang flussauf zu wandern hindert. Aber auch die laichbereiten und flussabwärts wandernden, erwachsenen Aale müssen viele Gefahren umgehen, damit sie unbeschadet ins Meer gelangen.

Ob ohne Besatzmaßnahmen der Aal in seinem angestammten Lebensraum überhaupt noch heimisch wäre ist schwer zu sagen.

Die Staaten der Europäischen Union sind aufgefordert, Maßnahmen zum Schutz des zwischenzeitlich selten gewordenen „Schlänglers“ auszuarbeiten. Der Besatz durch die örtlichen Anglervereine in enger Kooperation mit der Hegegemeinschaft Einzugsgebiet Murr GbR ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieser Art. Er soll dazu dienen, dass noch in einigen Jahrzehnten abwanderungswillige Laichtiere vorhanden sind, welche sich auf die große Tour in die Sargassosee machen können, um sich fortzupflanzen. In der Regel treten die erwachsenen Aale ihre Laichwanderung erst im Alter zwischen 12 – 50 Jahren an.

Der für das Aalprojekt verantwortliche Angelverein Murr e.V. konnte nur durch die großzügige finanzielle Förderung der Kreissparkassenstiftung Waiblingen, der Rems-Murr-Stiftung und der Syna AG sowie in enger Zusammenarbeit mit der Hegegemeinschaft Einzugsgebiet Murr, dieses Arterhaltungsmaßnahme durchführen. Die Angelvereine, die Murr und die europäischen Aale bedanken sich bei Ihren Förderern herzlich für das an den Tag gelegte großzügige, ökologische Engagement.